Aktuelle Meldungen

Vom guten Umgang mit Differenzen
Warum weiten sich Differenzen oft zu bissigen Kontroversen aus, zu aggressiven Wortgefechten, ja selbst zu grausamen Kriegen? In einer Zeit, in der es gilt gesellschaftliche Spaltungen und persönliche Spannungen zu überwinden, könnte der Ansatz des mediativen Denkens zur Schlichtung von Konflikten kaum wichtiger sein.Das neue Werk ?Vom guten Umgang mit Differenzen?, zeigt uns, wie wir mediatives Denken selber einsetzen können und wie es sich anfühlt, wenn aus einer beengten Situation mit einem Mal ein Kaleidoskop an Möglichkeiten entsteht.Die Autorin Dr. Noa Zanolli führt in diesem kleinen Buch kurz und pointiert aus, was mediatives Denken ausmacht, aus welchen Komponenten es zusammengesetzt ist und wie man es erlernen kann. Sie zeigt uns, was sich verändert, wenn  wir uns um gegenseitiges Verstehen bemühen und was es bewirkt, wenn wir unseren Bedürfnissen und Ängsten auf den Grund gehen.   Produktempfehlung  Vom guten Umgang mit Differenzen

Mehr Dialog wagen!
Menschen im Konflikt hören sich meist nicht mehr zu ? dabei ist gerade dann Dialog angesagt. Was aber ist ein guter Dialog, mit wem und wie kann er geführt werden, was kann er bewirken ? und was nicht?Mit ihrem gerade erschienen Buch  »Mehr Dialog wagen! - Eine Ermutigung für Politik, gesellschaftliche Verständigung und internationale Friedensarbeit« führen die Herausgeber Dirk Splinter und Ljubjana Wüstehube in diesen Thema ein. Die Autoren der einzelnen Dialoge, die sich alle real zugetragen haben, zeigen, wie ein gut geführter Dialog die Menschen berührt und den Umgang miteinander beeinflusst.In Ihrem Dialogmodell ?Vom Reden über das Zuhören zum Verstehen? haben die Herausgeber ein Dialog-­Modell entworfen, das viel mehr ist als nur »miteinander reden«.  Produktempfehlung  Mehr Dialog wagen!

Fünf Kriterien der virtuellen Führung (Teil 1)
Die riesigen Bürotürme in den Geschäftsvierteln der Metropolen in aller Welt galten als Symbole für den weltweiten Siegeszug von Kapitalismus und Globalisierung: Doch wegen der Corona-Pandemie haben Unternehmen ihre Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. Es wurde still in den Hochhäusern - und das vielleicht auf Dauer. Denn viele Unternehmen gehen davon aus, dass ihre Angestellten nach der Krise weiter von zu Hause arbeiten. Angenehmer Nebeneffekt für die Unternehmen: Sie könnten teure Büromieten und die Aufwendungen für den laufenden Betrieb in den Citys einsparen - soweit dies die meist mehrjährig abgeschlossenen Mietverträge zulassen.1. TrendsJes Staley, Chef der britischen Bank Barclays mit ihren luxuriösen Büroräumen im Londoner Bankenviertel Canary Wharf, betont, 7000 Menschen in ein Gebäude zu pferchen könnte eine Sache der Vergangenheit sein. »Wir werden Wege finden, um für eine viel längere Zeit mit mehr Distanz zu arbeiten.« Viele internationale Konzerne sehen das ähnlich. Der französische Autobauer PSA erwägt, die Telearbeit für Mitarbeiter, die nicht in der Produktion tätig sind, zur neuen »Referenz« zu erklären. Betroffen wären davon zehntausende Angestellte. Der US-Dienst Twitter will einigen Mitarbeitern sogar dauerhaft grünes Licht fürs Homeoffice geben. Facebook-Chef Mark Zuckerberg rechnet damit, dass die Hälfte der Belegschaft künftig von zu Hause arbeiten werde.Das US-Beratungsunternehmen Edelman spricht von einer »Revolution«, ausgelöst von einer »geänderten Denkweise« in den oberen Etagen der Bürotürme. Dort seien zwar seit zehn Jahren Überlegungen angestellt worden, wie die Zukunft der Arbeit aussehen könnte. Doch erst die Corona-Pandemie habe schlagartig klargemacht, dass Heimarbeit funktioniert. Zwar sei es derzeit noch nicht absehbar, wohin diese Entwicklung genau führt. Aber »Flexibilität« werde künftig noch größer geschrieben. Dabei sei es jedoch wichtig, dass die Unternehmensspitzen die Angestellten in den Prozess einbeziehen.Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Umfrage des Immobilienriesen Cushman & Wakefield, für die im April 300 Unternehmen weltweit befragt wurden. 89 Prozent gehen davon aus, dass sich der Trend zum Homeoffice auch nach dem Ende der Corona-Pandemie fortsetzen wird.Wird mit diesen Entscheidungen das Ende der Büro-Ära eingeläutet? Nach einer aktuelle Studie der Leibniz Universität Hannover und der Universität zu Köln sind kreative Ideenfindung und Innovation im Home Office auch ohne persönlichen Austausch möglich, wenn die richtigen Kommunikationsmedien eingesetzt werden: Während beim Chatten viel Kreativität verloren gehe, ließen sich mit Videokonferenzen ähnliche Ergebnisse erzielen wie mit persönlichen Treffen.Allerdings gibt es einen entscheidenden Einwand: Menschen sind soziale Wesen. Die meisten treffen sich, wenn sie die Wahl haben, für ein kreatives Brainstorming lieber persönlich als über die digitale Plattform Zoom zu kommunizieren. NeurobiologInnen zufolge ist unser Hirn darauf ausgelegt, soziale Verbindungen aufzubauen und zu erhalten. Unsere Identität und unser Selbstwertgefühl hängen eng mit den Gruppen zusammen, denen wir angehören ? dazu zählt auch das Team, mit dem wir zusammenarbeiten. Studien zeigen, dass die stärkste Bindung zwischen Menschen nur im persönlichen Austausch entsteht. Sollen also nicht nur effiziente Meetings, sondern auch ein Gemeinschaftsgefühl in den Teams gefördert werden, empfiehlt es sich, auch nach Ende der Corona-Pandemie weiterhin ein Büro als Ort der Zusammenkunft beizubehalten. Das heißt allerdings nicht, dass alle Teammitglieder dort jeden Tag verbringen müssen.2. EmpfehlungenNach den Inhalten und Vorgaben bisher vereinbarter Arbeits- oder Dienstverträge zählt die persönliche Anwesenheit am Arbeitsplatz zu den zentralen Verpflichtungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Home-Office können Arbeitsleistungen daher nur erbracht werden, wenn dies eine vertragliche Regelung im Arbeitsvertrag vorsieht oder dies die Arbeitgeberinnen und Arbeitsgeber im Rahmen entsprechender Zusatzvereinbarungen ermöglichen.Der Trend zum Führen von Satellitenteams wird die zukünftige Arbeitswelt stärker denn je prägen. Doch wie sichern die Führungskraft unter virtuellen Bedingungen Teamergebnisse und verlässliche Einzelleistungen? Wie schaffen sie gemeinsame Werte, erfüllen Bedürfnisse, vermitteln Arbeitsziele, Befugnisse, Spielregeln? Wie erkennen sie Überlastungen? Wie funktionieren Feedback, Kontrolle und Leistungsbeurteilung?Mehr als zwanzig Prozent der Führungskräfte leiten bereits heute örtlich verteilte Teams. Auf diese neue Art der virtuellen Führung sind die meisten Unternehmen und ihre Führungskräfte noch nicht ausreichend vorbereitet. Virtuelles Führen oder Führen auf Distanz benötigt mehr Kommunikationsaufwand und eine intensivere Pflege der Beziehung zu den Team-Mitgliedern.Empfehlungen für eine gelingende Kommunikation und das Konfliktmanagement im Rahmen der virtuellen Führung können in fünf Kriterien zusammengefasst werden: 2.1 Asynchrone Kommunikation - aber transparente RegelnZu einer größten Stressfaktoren im Home-Office zählt eine ständige Erreichbarkeit. Viele Führungskräfte unterstützen und fördern das Gefühl ihrer MitarbeiterInnen, schnellstmöglich auf E-Mails oder Nachrichten reagieren zu müssen. Andernfalls könnte der Eindruck entstehen könnte, dass sie zuhause nicht arbeiten. »Nervöse« Vorgesetzte erwarten schnelle Reaktionen und fordern mehr Absprachen ein als sonst - nur um sicherzugehen, dass die Projekte weiterlaufen.Doch: Wer es übertreibt und zu viel und andauernd (überwachend) kommuniziert, hält seine MitarbeiterInnen erst recht vom Arbeiten ab und behindert den Fortschritt von Projekten. Denn der Arbeitstag wird durch zahlreiche Meetings, Mails und Nachrichten, die sofortige Bearbeitungen verlangen, permanent unterbrochen. Die Erwartung an die »synchrone (Echtzeit-) Kommunikation« (im Gegensatz zur »asynchronen Kommunikation«) beeinträchtigt den Fokus der Mitarbeiterinnen auf ihre eigentliche Aufgabe. Das ist insbesondere bei solchen Tätigkeiten problematisch, die längere Konzentration erfordern: Programmieren, Schreiben, Strategien entwickeln.Die permanente Forderung nach einer synchronen Kommunikation priorisiert Erreichbarkeit über Produktivität und begünstigt Stress und Überlastung der Teammitglieder , wie das US-Portal Quartz schreibt.Dennoch: Klare Regeln, die für jede Art von Führungsarbeit eine zentrale Rolle spielen, unterstützen eine ausgewogene Kommunikation. Beim Führen auf Distanz sind klare Angaben zu Dos und Don?ts noch wichtiger. Anstelle unentwegt virtueller Nachfragen sollten Führungskräfte konkrete KPI (»Key Performance Indicator«: Kennzahlen zur Ermittlung von Aktivitäten in Unternehmen) festlegen, um Ergebnisse im Team besser einordnen zu können. Dazu zählen auch klare Kommunikationshilfen über die Verwendung und Benutzung aller technischen Hilfsmittel.Erforderliche Inhalte und Ziele - zusammen mit dem dafür notwendigen Arbeitsaufwand - können am besten gemeinsam mit dem Team entwickelt werden. An diesen transparenten Vereinbarungen und Standards, in denen eine Festlegung nicht fehlen sollte, dass Termine oder Zusagen eingehalten werden, können und sollen sich die Teams verbindlich orientieren.2.2 VertrauenÖrtlich und räumlich getrennten Teammitgliedern im Home-Office fehlt es an der persönlichen Kontakthäufigkeit: Spontane Besprechungen, der unmittelbare Austausch von Ideen oder Fragen, schnelle Absprachen sind an die technischen - und zeitlichen - Vorgaben via E-Mail, Telefon oder Videokonferenzen gebunden. Aus diesen Beschränkungen der digitalen Kommunikation können kompliziertere Abstimmungsprozedere mit der Gefahr häufiger Missverständnisse und Miss-Stimmungen resultieren. Der Eindruck von Isolierung und Informationsmangel kann sich bei Teammitgliedern verfestigen.Umso wichtiger ist der aktive Aufbau von Vertrauen im Team - eine der wichtigsten Herausforderungen virtueller Führung aus Distanz und eine zentrale Aufgabe der Teamführung. Durch den Mangel an persönlichem Kontakt, der erschwerten Kommunikation und der Distanz innerhalb des Teams fällt virtuellen Teams die Vertrauensbildung häufig schwer. Zudem haben Mitglieder virtueller Teams oftmals Schwierigkeiten, eine gemeinsame Teamidentität aufzubauen.Durch gezieltes Befragen ihrer Team-Mitglieder können Führungskräfte herausfinden, was diese für einen reibungslosen Arbeitsablauf besonders wichtig finden, wenn sie sich nicht persönlich regelmäßig sehen können. Wenn Führungskräfte explizit die Beiträge und Qualitäten der einzelnen Team-Mitglieder loben, die zum Teamerfolg beigetragen, unterstützt dies im Rahmen der internen Unternehmenskommunikation nicht nur das Vertrauen, sondern auch die positive Motivation. Führungskräfte, die Kenntnisse von Diversity und Offenheit für Kulturunterschiede im Verhalten ihrer Mitarbeitenden zeigen, unterstreichen ihre Bereitschaft für Vertrauen und tragen zu dessen aktiven Aufbau nachhaltig bei.Wenn virtuelle Teams scheitern, kann der Grund dafür auch im mangelnden Vertrauen liegen. Was zunächst überrascht, ist eigentlich ganz logisch: Vertrauen kann erst mit der Zeit und durch gemeinsame Erfahrungen wachsen. In virtuellen Teams sind diese persönlich wahrnehmbaren Momente von Natur aus begrenzt. Bleiben die menschlichen Komponenten auf der Strecke und werden intern nur noch kurze, knappe Anweisungen erteilt, schadet das dem Vertrauen. Das kann schlimmstenfalls dazu führen, dass Konflikte entstehen und - meist sogar versteckt - eskalieren. Diese Entwicklung wiederum wirkt sich negativ auf die Mitarbeitermotivation, letztendlich auf die Effizienz und den Projekterfolg aus. Für virtuelle Teams in der Anfangsphase ? besonders in der Projektarbeit ? sind daher persönliche Kick-Off-Meetings unerlässlich. Drei weitere Kriterien zur Unterstützung der Führung auf Distanz im virtuellen Raum lesen Sie in Folge 2 dieses Beitrags. Mit unserem monatlichen Newsletter informieren wir Sie zuverlässig und kostenfrei.   Literaturempfehlung  Achtsames Management

Wie argumentieren Rechtspopulisten?
Rechtspopulisten beanspruchen auch in der gegenwärtigen Corona-Krise, die eigentlichen Probleme der Gesellschaft zu benennen und eine Lösung für sie zu bieten. Die AfD behauptet beispielsweise in ihrem Strategiepapier für die Bundestagswahl 2017, dass Wähler sie für »grundsätzlich wählbar« halten, »weil sie Themen anspricht und Dinge beim Namen nennt, die den Altparteien nicht wichtig genug oder unlieb sind oder auf die die Altparteien keine Antwort haben«. Daher lebe sie gut, so heißt es in dem Strategiepapier, als »Tabubrecherin und Protestpartei«.Dafür muss es jedoch Tabus und Missstände geben, die man brechen beziehungsweise gegen die man protestieren kann. Klassischerweise prangern Rechtspopulisten die Tabus der »Lügenpresse« und der »politischen Korrektheit« sowie die Missstände der »etablierten Politik« an. Während die »korrupten Eliten« durch Inkompetenz und Böswilligkeit die eigentlichen Probleme überhaupt erst verursachten, würden die »Gutmenschen« sie in ihrer Blindheit einfach verdrängen. Die Bedrohung unserer Gesellschaft durch »Flüchtlingskrise«, »EU-Diktat« und »Islam-Terror« sei immanent und nur durch jemanden zu beseitigen, der außerhalb des Systems stünde ? hierzulande durch die »Alternative für Deutschland« abseits der unnützen »Alt-Parteien« und in den USA durch Donald Trump, den starken Mann außerhalb des »establishment« und politischen Sumpfes, den es auszutrocknen gelte.Die Bedrohung kann dabei in dem Verfall der inneren Sicherheit, der ungerechten Steuerpolitik der Regierung, der Globalisierung, der kulturellen Gefährdung durch den Islam oder, am prominentesten in Deutschland, in der »Flüchtlingskrise« bestehen. Einig sind sich die modernen Rechtspopulisten darin, dass unmittelbarer Untergang, Chaos und Desaster für »das Volk drohe.Wie argumentieren Rechtspopulisten?Das Muster der rechtspopulistischen Strategie scheint folgendes zu sein: Man greife berechtigte oder unberechtigte Ängste und Zweifel in der Bevölkerung auf, nähre sie mit entsprechenden Untergangsszenarien und präsentiere sich anschließend als alternativloser Retter in der Not. Dieses Muster lässt sich durchweg in den politischen Argumentationen von Rechtspopulisten finden. Es scheint dem Rechtspopulismus inhärent zu sein.Im Folgenden werde ich dieses Muster herausarbeiten und als das »Kernargument des Populismus« bezeichnen. Dazu werde ich den Begriff des Rechtspopulismus etwas näher beleuchten (Abschnitt 1), das Kernargument in seiner allgemeinen Form skizzieren und dann am Beispiel des Wahlprogramms der AfD ausführen (Abschnitt 2) und abschließend ein Fazit ziehen (Abschnitt 3).1. Was ist Rechtspopulismus?Was verbirgt sich hinter den bisweilen geradezu beliebig anmutenden Behauptungen von Donald Trump, Marine Le Pen, Jaros?aw Kaczy?ski, Geert Wilders, Victor Orbán, Matteo Salvini, und den Politikern der AfD? Was zeichnet Rechtspopulismus aus?Der Begriff »Rechtspopulismus« ist in erster Linie ein Wertbegriff. Als solcher drückt er eine (negative) Wertung aus. Normalerweise bezeichnen wir den politischen Gegner als »rechtspopulistische Partei«. Der Begriff »Rechtspopulismus« wird in der Regel als politischer Kampfbegriff und dabei sehr unterschiedlich verwendet.1.1 Sprache und FormViele verstehen unter »Rechtspopulismus« einfach nur eine besondere Art von Politik oder politischer Sprache, die vereinfachend oder besonders volksnah zu sein scheint. Heribert Prantl (2017) beispielsweise sieht das wesentliche Merkmal von Populismus in der Volksnähe seiner Sprache und politischen Forderungen. Er grenzt Populismus von extremistischem Populismus ab und argumentiert, dass Populismus in seiner milden Variante durchaus demokratisch und sogar demokratieförderlich ist.Dieser Fokus auf den Aspekt der Volksnähe verleitet manche zu glauben, dass Rechtspopulisten gar nicht wirklich argumentieren, sondern einfach nur populäre Forderungen in den Raum werfen. Sie reden »dem Volk« nach dem Mund.Das scheint auf den ersten Blick Rechtspopulismus gut zu beschreiben. In der Tat vereinfachen Rechtspopulisten oft komplexe Sachverhalte. In der Tat sind ihre Forderungen und Feststellungen oft nicht auf empirische Daten gestützt. In der Tat sprechen ihre Forderungen oft auf emotionale Weise bestimmte Bevölkerungsgruppen an. Dies ist jedoch nicht dasselbe wie Mangel an Argumentation oder argumentative Schwäche.Im Gegenteil können Argumente umso stärker vorgebracht werden, je weniger sie sich auf verifizierbare Prämissen stützen müssen und stattdessen auf Prämissen stützen können, die bereits vorhandene Meinungen bestätigen oder bereits vorhandene Emotionen ansprechen und verstärken. Die Wahrheit oder Belegbarkeit dieser Behauptungen spielt dabei keine Rolle.Wichtig ist allein die Mobilisierungskraft des Gesagten. Rechtspopulisten (allen voran Trump) haben gezeigt: Um politisch erfolgreich zu sein, muss man sich gar nicht erst um mögliche Rechtfertigungen, ja nicht einmal um Nähe zur Wahrheit, bemühen.1.2 Rechtfertigungskontext und alternative FaktenWorauf es ankommt, ist die Fähigkeit, sich überhaupt nur in Kontexten zu äußern, in denen keine Rechtfertigung erwartet wird. Das »post-faktische Zeitalter« ist also nicht davon geprägt, dass Lügen, Propaganda und Desinformationen verbreitet werden (das ist nur der Kollateralschaden), sondern dass die großen »Volksversteher« (allen voran die Autokraten Putin, Erdogan und Trump) sich gar nicht genötigt sehen, ihre Vorhaben rechtfertigen zu müssen.Es ist also zweitrangig, ob Rechtspopulisten ihre Behauptungen belegen können. Es reicht, sie mit der entsprechenden Haltung als »alternative Fakten« zu verkünden. Denn schließlich sehen sich Rechtspopulisten als die einzigen, die den »Volkswillen« kennen und die eigene Gesellschaft vor dem bevorstehenden Untergang bewahren können.Ein Merkmal rechtspopulistischer Argumentation ist also die fehlende Bereitschaft, sich zu rechtfertigen. Donald Trump begibt sich gezielt in Situationen, in denen seine Äußerungen nicht direkt hinterfragt werden können (wie zum Beispiel auf Twitter). Das entspricht seinem Bild von sich als »starker Mann«, der vor niemandem Rechenschaft ablegen muss.Diese Haltung hat auch einen strategischen Aspekt, wie der Historiker Habbo Knoch konstatiert. Dadurch kann Donald Trump »alternative Fakten« postulieren, die seine Unterstützer emotional ansprechen.Das ist jedoch etwas anderes, als für seine Behauptungen keine Gründe zu geben. In der Tat begründen rechtspopulistische Politiker wie Donald Trump sehr regelmäßig und sehr nachdrücklich ihre Forderungen.1.3 Inhalt und AlleinvertretungsanspruchAnders als bei Heribert Prantl, der sich auf die Form rechtspopulistischer Äußerungen konzentriert, verhält es sich mit Jan-Werner Müller (2016). Er argumentiert, dass Populisten nicht an der sprachlichen Form ihrer politischen Forderungen erkannt werden können, sondern an ihrem Alleinvertretungsanspruch, als Einzige für das »wahre« Volk zu sprechen.Rechtspopulisten sehen sich als die direkten Vertreter des »Volkes«, welches als eine natürliche und homogene Grundmenge in der Bevölkerung idealisiert wird. Inhaltlich bestimmend für Rechtspopulismus ist eine Identitätspolitik, in der eine bedrohte Gemeinschaft, das »Volk«, konstruiert wird.Ihm gegenüber wird eine korrupte, unfähige und volksferne politische Klasse konstruiert. Karin Priester (2012) sieht die Wesensmerkmale des Rechtspopulismus daher in der »Berufung auf den common sense, Anti-Elitarismus, Anti-Intellektualismus, Antipolitik, Institutionenfeindlichkeit sowie Moralisierung, Polarisierung und Personalisierung der Politik«. Rechtspopulisten sehen also das »Volk« (und damit sich selbst als deren »Stimme«) in einem politischen und moralischen Kampf gegen das System.Parallel dazu sehen sie das »Volk« auch von äußeren Feinden bedroht. Diese können die Form von Minderheiten wie Immigranten, Geflüchteten, Homosexuellen und Juden oder die Form von ausländischen Investoren, ausländischen Geheimdiensten oder der Europäischen Union einnehmen.1.4 ZusammenfassungMan kann Rechtspopulismus also an mindestens drei Dingen festmachen:Erstens, Rechtspopulismus erkennt man an seiner sprachlichen Form. Beispielsweise daran, dass Rechtspopulisten komplexe Sachverhalte übermäßig vereinfachen und eine »volksnahe« Sprache verwenden.Zweitens, Rechtspopulismus erkennt man an seinem Inhalt. Rechtspopulisten bedienen bestimmte spezifisch »rechtspopulistische« Themen. Sie setzen sich zum Beispiel für eine Rückkehr zum Nationalismus und gegen Minderheiten ein.Drittens, Rechtspopulismus erkennt man an seinem Alleinvertretungsanspruch. Sie beanspruchen, allein den »Willen des Volkes« zu kennen.All diese Charakterisierungen erfassen wichtige Aspekte von dem, was unter »Rechtspopulismus« verstanden werden kann. Ich möchte in meiner Analyse zeigen, dass man Rechtspopulismus auch als eine bestimmte argumentative Strategie ansehen kann. Gerade wenn wir uns auf die Rechtspopulisten unter den Populisten konzentrieren, gibt es ein Kernargument, das sich bei allen gängigen Vertretern in Europa und darüber hinaus finden lässt. Dieses Kernargument lässt sich auch im Wahlprogramm der AfD finden.2. Das Kernargument des PopulismusDas AfD-Wahlprogramm habe ich mit den Mitteln der Argumentationsanalyse von Gregor Betz und Georg Brun (2016) rekonstruiert. Es handelt sich dabei um eine Analysemethode, die aufgrund ihrer Detailgenauigkeit eine vergleichbar hohe Klarheit in den Analysegegenstand bringen kann.Ich habe in dieser Analyse versucht die Argumente der AfD möglichst plausibel, kohärent und stark zu machen. So habe ich die Argumentation des AfD-Wahlprogramms in einem ersten Schritt lediglich rekonstruiert, ohne sie direkt zu kritisieren. Doch kann eine Argumentrekonstruktion nie vollkommen objektiv sein. Sie ist ein interpretativer Akt und damit immer auch durch eine bestimmte Sichtweise geleitet. Sie ist eine Art (von mehreren möglichen Arten), wie man das AfD-Wahlprogramm lesen kann.Die Anwendung der Analysemethode von Gregor Betz und Georg Brun auf das AfD-Wahlprogramm offenbart ein argumentatives Muster, nach dem (mehr oder weniger explizit) alle Populisten operieren ? das »Kernargument des Populismus«. Wie also argumentiert die AfD?Im Alltag verstehen wir unter einem Argument eine begründete Behauptung. Genau genommen ist ein Argument jedoch eine Menge von Aussagen, von denen eine oder mehrere Aussagen eine weitere Aussage begründen. Die Aussage, die begründet wird, nennen wir Konklusion. Die Aussagen, die sie begründen, nennen wir Prämissen.Sehen wir uns also das Kernargument des Populismus an:Kernargument: Die Populisten sind die einzige Rettung der Gesellschaft vor dem Untergang.(1) [Untergang]: Die Gesellschaft steht vor dem Untergang und muss gerettet werden.(2) [Rettung]: Die Gesellschaft kann nur gerettet werden, wenn die Populisten an die Macht kommen.(3) [Macht]: Die Populisten müssen an die Macht kommen.Die erste Prämisse besagt also, dass die Gesellschaft vor dem Untergang steht und gerettet werden muss. Sie hat die Bezeichnung [Untergang]. Die zweite Prämisse besagt, dass die Gesellschaft nur gerettet werden kann, wenn die Populisten an die Macht kommen. Sie hat die Bezeichnung [Rettung]. Die Konklusion des Arguments Kernargument besagt, dass die Populisten an die Macht kommen müssen. Sie hat die Bezeichnung [Macht].Auf dieser Argumentkarte ist das Argument verbildlicht:Die Konklusion [Macht] folgt logisch aus den beiden Prämissen [Untergang] und [Rettung]. Es ist also nicht möglich, dass sie falsch ist, wenn die beiden Prämissen wahr sind.Das Kernargument ist strukturell klar und einfach. In einem Satz besagt es, dass die Populisten an die Macht kommen müssen, weil sie die einzige Rettung der Gesellschaft vor dem Untergang sind.Donald Trumps Wahlkampfslogans beispielsweise beruhen auf diesem Argument. Sein wichtigster Slogan gibt Prämisse [Untergang] wieder: »Make America great again!« Diese Aussage setzt voraus, dass Amerika nicht mehr großartig ist. Eingebettet in den Kontext seiner übrigen Rhetorik impliziert sie unmissverständlich, dass Amerika dem Untergang geweiht ist und gerettet werden muss.Ein weiterer wichtiger Slogan von Trump gibt die Prämisse [Rettung] wieder: »Only I can fix it!« Er impliziert, dass es kaputt ist und repariert werden muss. Worauf sich »es« genau bezieht, ist nicht vollkommen klar. Vermutlich bezieht »es« sich jedoch auf die amerikanische Regierung oder Gesellschaft. Trumps Slogan ist damit fast synonym mit der Prämisse [Rettung].Die Konklusion [Macht] ist, wie bei natürlichsprachlichen Argumenten üblich, implizit: [Macht]: Donald Trump muss an die Macht kommen.In vielen Äußerungen von AfD-Politikerinnen und AfD-Politikern, aber auch im AfD-Wahlprogramm finden sich ebenfalls beide Prämissen. Die Prämisse [Untergang] lautet im Wahlprogramm: »Die Rechtsstaatlichkeit, insbesondere die Gewaltenteilung, muss wiederhergestellt und der Staat seine eigentlichen Kernaufgaben, insbesondere die Innere Sicherheit, wieder gewährleisten können« Dies impliziert, dass die Rechtsstaatlichkeit des deutschen Staates nicht mehr besteht und er seine Kernaufgaben nicht mehr gewährleistet. Oder in etwas anderen Worten: »Wir wollen unseren Nachkommen ein Land hinterlassen, das noch als unser Deutschland erkennbar ist.« Hier impliziert die AfD: Wenn niemand eingreift, wird Deutschland bald nicht mehr als »unser« Deutschland erkennbar sein. An beiden Stellen im AfD-Wahlprogramm wird also vorausgesetzt, dass Deutschland in der ein oder anderen Form vor dem Untergang steht und gerettet werden muss.Die Prämisse [Rettung] steckt bereits im Namen der AfD. Sie beansprucht die Alternative für Deutschland zu sein: die einzige Partei, die nicht Teil einer »politischen Klasse« ist, »deren vordringliches Interesse ihrer Macht, ihrem Status und ihrem materiellen Wahlergehen gilt«, wie es im Wahlprogramm heißt. Deutschland kann nur noch durch die AfD gerettet werden.Sowohl die Prämisse [Untergang] als auch die Prämisse [Rettung] können weiter begründet werden. Das heißt, es können neue Argumente gemacht werden, die jeweils eine der beiden Prämissen stützen. Das AfD-Wahlprogramm ist voll von solchen Argumenten.Die Prämisse [Untergang] wird durch die eingangs erwähnten Untergangsszenarien begründet. Diese gleichen sich in einem erstaunlichen Ausmaß über die verschiedenen populistischen Lager hinweg und nehmen eine wichtige Rolle im Wahlprogramm der AfD ein.Die Begründung für die Prämisse [Rettung] besteht grundsätzlich in dem Alleinvertretungsanspruch, dass die AfD für das »wahre Volk« spricht und nur sie allein. Die Kernaussage lautet:»Rettung durch das Volk«: Die Populisten wollen als einzige Partei den Volkswillen verwirklichen.Der Alleinvertretungsanspruch wird von Jan-Werner Müller als Definitionsmerkmal für Populismus benannt und findet sich fast wörtlich im AfD-Wahlprogramm. Die Begründung für die Prämisse [Rettung] lautet:»Rettung durch das Volk«[Verwirklichung des Volkswillens]: Die Gesellschaft kann nur gerettet werden, wenn der Volkswille verwirklicht wird.[Stimme des Volkes]: Nur wenn die Populisten an die Macht kommen, wird der Volkswille verwirklicht.[Rettung]: Die Gesellschaft kann nur gerettet werden, wenn die Populisten an die Macht kommen.Die Gesellschaft könne also nur gerettet werden, wenn die Populisten an die Macht kommen, weil nur dann der Volkswille verwirklicht werde. Wie es in Kapitel 1.4 heißt, nur wenn die AfD ihre Forderungen verwirklichen könne, erhalte das »Volk (?) die Möglichkeit (?), eigene Gesetzesinitiativen einzubringen und per Volksabstimmung zu beschließen«.Nur wenn das Volk auf diese Weise wieder zum Souverän werde, könne die Gesellschaft vor dem Untergang bewahrt werden. Oder mit den Worten der AfD in Kapitel 1.4: »Nach unserer Überzeugung können die fundamentalen Krisen von Währung, Energieversorgung und Migration sowie die Konfrontation mit dem Islam alleine weder von der Regierung noch vom Bundestag tragfähig bewältigt werden. Ohne eine unmittelbare Mitbestimmung der Bürger kann und darf dies auch nicht geschehen.« Die AfD müsse also an die Macht kommen, um »dem Volk« seine Stimme zu geben. Dies bringt die Prämisse [Verwirklichung des Volkswillens] auf den Punkt.Das Kernargument kann in seiner erweiterten Form so rekonstruiert werden: (Die Zahlen hinter den Aussagen beziehen sich auf die Kapitel im AfD-Wahlprogramm.)Im Wahlprogramm der AfD lassen sich drei Begründungen für die Prämisse [Stimme des Volkes] in der Form von Argumenten gegen die »Lügenpresse«, die »Altparteien« und die Europäische Union finden.Wie sehen sie Untergangsszenarien aus, die die AfD als Begründungen für die Prämisse [Untergang] anführt? Diese Erläuterungen zu weiteren Prämissen und Parametern wie Zuwanderung, Kriminalität, Leitkultur sowie alternative Untergangsszenarien folgen in Folge 2 dieses Beitrags  AutorDr. David Laniusist Forscher am »DebateLab des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), Gründer des »Forums für Streitkultur« und Trainer am Institut für Argumentationskompetenz. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf strategischer Unbestimmtheit in Recht und Politik, Populismus, Fake News und den Möglichkeiten und Grenzen von konstruktivem Diskurs.  

Integrationsparadox und Konfliktmanagement
Auch wenn im Moment noch die Corona-Pandemie die öffentliche Aufmerksamkeit bestimmt - die großen gesellschaftlichen Themen bleiben und werden nach dieser Phase wieder in den Vordergrund treten. Einwanderung und Integration bleiben zentrale Themen für die Zukunft und die demokratische Entwicklung unseres Landes. Weiterhin wird das kein leichter Weg sein und die wesentlichen Fragen werden an der Basis - in den Kommunen und Kreisen - entschieden. Das Ziel ist klar: es geht um den gesellschaftlichen Zusammenhalt, ein friedvolleres Miteinander und um die Verteidigung der Demokratie gegen die Bedrohung von rechts.Der durch die Pandemie erzwungene Rückzug in das Home-Office bietet auch die Möglichkeit, innezuhalten und die Erfahrungen aus den letzten fünf Jahren zu reflektieren, wie Mediation und Konfliktmanagement in diesen Prozessen hilfreich eingesetzt werden können.Ausgangspunkt war der Diskurs um den »Bochumer Aufruf«. Bei einer Alumnikonferenz zum 15. Jahrestag des weiterbildenden Studiengangs »Mediation und Konfliktmanagement in Wirtschaft und Arbeitswelt« an der Akademie der Ruhr-Universität Bochum zu dem Thema »Konfliktfestigkeit und Konfliktmanagement in Organisationen« beschäftigten wir uns intensiv mit der Frage: »Wie können wir als Mediatorinnen und Mediatoren in dem aktuellen Prozess der Einwanderung und Integration von Flüchtlingen aktiv werden?« Ergebnis dieser Debatte war der »Bochumer Aufruf«, der auf zwei Netzwerk-Konferenzen (Dez 2015 und April 2016) weiter diskutiert wurde. Von Anfang an beteiligte sich Prof. Andreas Zick, Leiter des Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld, an diesem Diskurs.Dabei schälten sich zwei Schwerpunkte heraus, die für die weitere Arbeit bestimmend waren:der Fokus auf die Unterstützung vor Ort - also in Kommunen und Kreisender Ansatz des Systemdesigns - also der Blick auf die Strukturen und Prozesse der Konfliktregelung und die Entwicklung von Konfliktmanagementsystemen.Die Kernfrage war: Wie können Kommunen und Kreise besser mit dem Integrationsparadox umgehen? Denn das Integrationsparadox lehrt uns: Je besser die Integration gelingt und je integrativer Kommunen und Kreise agieren, umso deutlicher werden bestehende Widersprüche, gibt es Widerstände und entstehen kleine und große Konflikte. Diese Konflikte im Prozess des Zusammenwachsens sind etwas Normales, ja sie sind notwendig und wichtig.Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani hat dies in seinem Buch »Das Integrationsparadox - warum gelungene Integration zu mehr Konflikten führt« ausführlich beschrieben. Vielmehr sollte erkannt werden, dass »in modernen Migrationsgesellschaften Konflikte notwendig sind und entsprechend ein konstruktiver Umgang mit Konflikten den Kitt bildet, der die Gesellschaft zusammenhält«, schreibt er in seinem Buch.Deutschland befände sich im Prozess des langsameren Näherkommens, das zwar zu Reibungen und Schließungstendenzen führe - was aber nun mal dazugehöre. Denn eine gelungene Integration - so El-Mafaalani - erhöhe nun einmal das Konfliktpotenzial. Immerhin entstehen die Konflikte deshalb, weil zwei Seiten, die vorher nichts miteinander zu tun hatten, nun miteinander sprechen. Ein Fortschritt also.Das gefühlte Sich-im-Kreis-Drehen sei demnach nichts weiter als der »anstrengende Prozess des Zusammenwachsens einer offenen Gesellschaft«. So könne sich auch Rassismus verstärken, gerade weil Integration gelingt. Gleichzeitig betont er immer wieder, dass bestimmte Diskurse einfach Zeit brauchen.Denn Integration sei unverändert eines der wichtigsten innenpolitischen Themen, schreibt der Wissenschaftler. Damit sei der Anspruch deutlich schneller gestiegen als die reale Verbesserung. Das Problem sei also nicht die Situation selbst, sondern die Differenz zwischen Erwartung und Realität. Eine These, die in der aufgeheizten Stimmung sowohl Sinn als auch Hoffnung macht.Die größte Gefahr ist die Infragestellung der offenen Gesellschaft. In fast allen europäischen Staaten erstarkt der Nationalismus wie beispielsweise am Brexit, an der Präsidentschaft Donald Trumps, in Polen oder in Ungarn, aber auch an salafistische Strömungen zu erkennen ist. Statt sich nach einer »Leitkultur« zu sehnen, wäre es nun an der Zeit, Regeln für eine »Streitkultur« zu definieren und positive Ideen für die Zukunft zu entwickeln. (=»Idee des Zusammenwachsens«).Dieser Aufforderung entspricht der Grundgedanke des Systemdesigns: Nicht der Konflikt ist das Problem, sondern die Art und Weise, wie wir damit umgehen. Je früher wir Konflikte erkennen und je schneller wir uns damit auseinandersetzen, umso stärker können wir die positive Energie des Konflikts für Anpassungen und Veränderungen nutzen. Eine konstruktive Streit- und Konfliktkultur kann verhindern, dass kleine Konflikte groß werden und ihr destruktives Potential entfalten.Ein offensiver Umgang mit Konflikten verhindert auch, dass Widerstände, Missverständnisse und Fehler bei Einwanderung und Integration von rechtsradikalen und rechtspopulistischen Gruppen konfrontativ aufgeladen, instrumentalisiert und provinzialisiert werden können. Denn damit verfolgen diese Gruppen das Ziel, die erreichten Integrationserfolge in Kommune und Kreise zurückzudrehen, Migranten und Geflüchtete pauschal zu diskreditieren und die Autorität und das Ansehen von BürgermeisterInnen und Abgeordneten zu beschädigen.Diese Grundgedanken waren der Hintergrund eines umfangreichen Pilotprojekts in Nordrhein-Westfalen. Das Ministerium für Kinder, Familien, Flüchtlinge und Integration hat gemeinsam mit der Stiftung Mercator als Fördergeber das Projekt »Kommunales Konfliktmanagement fördern. Teilhabe und Integration konstruktiv gestalten« initiiert. Die Leitung des Pilotprojektes wurde an die Landesweite Koordinierungsstelle der Kommunalen Integrationszentren (LaKI) in Dortmund übertragen. Für Konzeptentwicklung, Studien-leitung, Beratung und Supervision wurde die Medius GmbH Münster beauftragt. Das Projekt begann im Mai 2017 und ist jetzt im Wesentlichen abgeschlossen. Die Ergebnisse und Erfahrungen- vor allem das im Projekt entwickelte Handbuch - werden im nächsten Newsletter dargestellt. Autor Kurt Fallerist Gründer und Senior Consultant der MEDIUS GmbH. Er ist seit 25 Jahren als selbstständiger Lehrmediator BMWA®, Organisationsberater, Coach und Systemdesigner tätig. Vollständiges Profil Literaturempfehlung  Achtsames Management

Codes für deine Homepage